Denkmalgeschütztes Gebäude endlich saniert

Kieler Nachrichten, 29.11.2012

Lernwerft hat den Umbau geschafft

Kiel. 14 Klassenräume, drei Fachräume (Musik, Naturwissenschaften und Kunst) und eine Mensa mit Küche beherbergt nun das 1877 als Garnisonslazarett fertiggestellte Gebäude. 2006 hatte die Bildungsstiftung Schleswig-Holstein das stark sanierungsbedürftige Gebäude, in dem vorher eine Grundschule untergebracht war, von der Stadt für 350000 Euro mit Turnhalle und Grundstück gekauft. In drei Phasen wurde die Schule über sechs Jahre für vier Millionen Euro saniert. „Neben den Arbeiten bei laufendem Betrieb war die große Herausforderung, die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen, aber auch eine bezahlbare Lösung zu finden“, so Benning. Vor allem beim Thema Fenster, die ja das Gesicht des Hauses prägten, sei das schwierig gewesen. Auch der Hausschwamm im Dachstuhl, der damals das Aus für die Heinrich-von-Stephan-Schule gewesen war, hätte die Kosten nach oben getrieben. „Wir haben den ganzen Dachstuhl komplett erneuert und die Balken mit Stahlträgern verstärkt.“ Während Sanierungsphase und Kennenlernen des Hauses sei man von vielen anfänglichen Vorstellungen abgewichen und habe pragmatische Lösungen entwickelt. Aber das Gebäude habe eine gute Substanz. Das zweischalige Mauerwerk mit Luftschicht habe eine gute Dämmwirkung, und die Mensa unter dem Kreuzgewölbe mit Sandeinschub ist etwas Besonderes.

Auch in den Außenanlagen hat sich etwas getan. Tischtennisplatten, Fußballplatz und Basketballkorb sowie Sitzbänke und Tische für ein Mittagessen im Freien sind hinzugekommen. Davor erstreckt sich eine Lindenallee und die Ostsee – eine Schule mit Meerblick für derzeit 300 Kinder und Jugendliche. Die 100 Grundschüler wurden in die ehemalige Emil-Nolde-Schule am Schusterkrug ausgelagert.

Die Lernwerft ist laut Benning die einzige neu gegründete Ganztagsschule, die nach dem Konzept einer Club of Rome Schule unterrichtet. Alle anderen 21 Schulen dieser Art in ganz Deutschland seien umgewandelte staatliche Schulen. „Vermutlich sind wir auch die einzige, die das Konzept von der Krippe bis zum Abitur anbieten“, so Benning. Das Konzept der Club of Rome Schulen setzt auf eine andere Kultur des Lernens. Lernen soll den Schülern Spaß bringen und Bildung über den Schulhorizont hinausgehen. Gelebte Teamarbeit, gegenseitiger Respekt und Selbstverantwortung der Schüler untereinander sind zentrale Schlüsselbegriffe. Ein Konzept, das anzukommen scheint. Denn trotz der 150 Euro Schulgeld ist die Warteliste lang, und der Einzugsbereich reicht vom Ostufer über Raisdorf, dem Westensee, Strande und Eckernförde bis nach Neumünster.

Deshalb soll die Schule noch wachsen. Bisher ist die Grundschule nur einzügig, ebenso wie die Oberstufe. Nur die 5. bis 9. Klasse ist zweizügig. Angestrebt ist eine Zweizügigkeit in allen Klassenstufen. Im nächsten Jahr werden die ersten Schüler ihr Abitur ablegen und dann die Schule nur noch ein G9-Abitur anbieten. Dann soll auch der Neubau mit sechs weiteren Klassenräumen auf dem hinteren Schulhof in Angriff genommen werden. „Den brauchen wir dringend“, sagt Benning. Die positive Bauanfrage liegt bereits vor. Ein transparenter Übergang wird die beiden Gebäude verbinden, und ein geschickt zwischen den beiden Gebäude platzierter Fahrstuhl soll für Barrierefreiheit in Neu- und Altbau sorgen. „Ich finde, das ist das Genialste daran“, sagt Benning. Ein wenig Baulärm kommt dann allerdings wohl wieder auf alle zu.

 

<< zurück

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.