Mehr „selber lernen”: Privatschule will grünes Licht aus Kiel

Kiel / höv — „Nein”, versichert Albert Benning hartnäckig. Weder sei sein Schulmodell eine „Eliteschule”, noch wolle man sich „absetzen” von staatlichen Schulen. „Doch anders machen wir es schon”, sagt der langjährige Lehrer, der gleichzeitig Geschäftsführer der Bildungsstiftung Schleswig-Holstein ist. Jetzt treibt er die Gründung der ersten Club-of-Rome-Schule voran, die nach den Sommerferien in Kiel an den Start gehen soll.

Schon jetzt ist Benning überzeugt, „dass wir Erfolg haben werden”. Etwa darin, deutlich mehr Schüler in einer Art Gemeinschaftsschule zum Abitur zu bringen, als staatliche Schulen dies mit einer Quote von 28,1 Prozent eines Altersjahrgangs hinbekommen.
Wenn Benning erzählt, so scheint es, dann kommt Schule in einem völlig neuen Gewand daher. Dann sind Unterrichtsstunden und Schüler-Neugier nicht in 45-Minuten-Takte eingeteilt, da sind Lehrer eher Trainer ihrer Schüler als Dozenten. Und der Lehrplan lediglich ein nötiges Instrument zur Vermittlung von Basiswissen. „Selber lernen” sollen die Schüler, kreativ sein dürfen.

Aus bestehenden Schulen heraus gibt es bundesweit inzwischen 20 Lehranstalten, die nach dem Club–Rome-Konzept arbeiten. Darunter auch die Helene-Lange-Schule im hessischen Wiesbaden. Die hatte beim Pisa-Test als deutsche Top-Schule abgeschnitten. Wenn die „Römer” über fächerübergreifenden Unterricht reden, dann klingt das so: In einem 90-Minuten-Block wird etwa in Biologie die heimische Pflanzenwelt erklärt. In den folgenden 90 Minuten ist Selbstständigkeit gefragt. Da können Schüler „ihre” Pflanzen über die chemische Fotosynthese ebenso entdecken wie über eine Exkursion, über ein Landschaftsbild oder ein Heine-Gedicht.

Auf Kreativität ihrer Schüler will die Club–Rome-Schule setzen, auf einen „binnendiffenzierten” Unterricht trotz Klassengrößen von bis zu 25 Schülern und vor allem: auf die Lust, etwas zu lernen und zu leisten. „Positives Leistungsklima” nennt Albert Benning das. Er weiß nur zu gut, wie Schüler zuweilen als „Streber” abgekanzelt werden, weil ihnen der Lernstf an herkömmlichen Schulen nicht ausreicht.

Auch wenn bei den „Römern” monatlich 150 Euro Schulgebühren fällig sein werden – die Nachfrage scheint der Bildungsstiftung Schleswig-Holstein, die als Trägerin der Schule antritt, Recht zu geben. Mit einer ersten und einer fünften Klasse soll im August der Anfang in Kiel gemacht werden. Bis auf wenige Plätze sind Benning und sein einstweilen kleines, aus engagierten Pädagogen staatlicher Schulen rekrutiertes Kollegium ausgebucht. Nur eines fehlt den Schulgründern, die ihr Projekt mit einem Darlehen von 380 000 Euro auf die Beine stellen, noch. Der Segen des schleswig-holsteinischen Kultusministeriums, dass die Schule als Äquivalent zu staatlichen Schulen anerkannt wird. Seit Monaten werde verhandelt. Doch Benning ist optimistisch, auch letzte Skeptiker noch überzeugen zu können.

SHZ – 01.06.2006

<< zurück

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.