Lernwerft wird auf Kiel gelegt

Kiel — In Kiel soll im August die erste neu gegründete Ganztagsschule Deutschlands entstehen, in der von Anfang an nach dem Konzept des Club of Rome gelernt wird. Was sich hinter diesem Konzept verbirgt, können interessierte Eltern heute Abend auf einer Informationsveranstaltung erfahren. Basis des Club of Rome-Konzeptes sind folgende Werte: die Würde des Individuums, das friedliche und sich gegenseitig befruchtende Zusammenleben der Kulturen, der Schutz der Umwelt und die Verantwortung des Einzelnen für sein Handeln.

„Die Kinder und Jugendlichen sollen ihre Zeit in unseren Schulen als Erfolg und Bereicherung erleben. Das geht nur, wenn sie ihr Tun dort als sinnvoll und wichtig empfinden”, sagt Axel Beyer, Geschäftsführer der Club of Rome-Schulen Deutschland gGmbH in Hamburg und macht an einem Beispiel klar, wie in einer Club of Rome-Schule das Lernen abläuft: Im Klassenzimmer gibt es keinen festen Platz für den Lehrer. Der Lehrer geht vielmehr zu den Schülern, die sich zu zweit oder dritt auf Lerninseln zurückziehen und selbst nach Lösungen für Aufgaben suchen. „Das bedeutet, dass die Lernfortschritte sehr unterschiedlich sein können. Aber vor allem entfällt die Konkurrenz und die Konfrontation im Klassenraum – und damit das, was Lehrer heute psychisch oft so belastet.” Wichtigstes Ziel sei es, das selbstbestimmte Lernen zu lernen und sich selbst als leistungsfähig zu erleben. In Kiel wird die neue Club of Rome-Schule von der Bildungsstiftung Schleswig-Holstein vorbereitet: Die Schule soll zum nächsten Schuljahr mit einer ersten Klasse und einer fünften Klasse starten. Ihr Name: Lernwerft. Ihr Standort: der funktionstüchtige Teil der ehemaligen Heinrich-von-Stephan-Schule in Friedrichsort, die schrittweise in den kommenden Jahren saniert werden soll. Nach dem Schulrecht handelt es sich bei der Lernwerft um eine Grundschule und um eine achtjährige Gesamtschule. Die Kinder bleiben aber von der ersten bis Ende der 12. Klasse im gleichen Klassenverband. Die Kinder können dort einen Haupt- oder Realschulabschluss machen sowie die Fachhochschulreife erwerben oder nach zwölf Jahren das Abitur ablegen.

Bewusst setzt die Lernwerft auf unterschiedliche Leistungsniveaus der Schülerschaft. „Denn PISA hat bewiesen: Am besten lernt man im Team, in dem sich unterschiedliche Leistungsniveaus zusammenfinden. Davon profitieren alle”, ist Albert Benning, Geschäftsführer der Bildungsstiftung, überzeugt. Die Lerneinheiten orientieren sich an den schleswig-holsteinischen Lehrplänen. Gelernt wird aber fächerübergreifend und – außer in Fremdsprachen, Sport und Musik – ohne 45-Minuten-Takt. Bewegung und Musik sind in dem Konzept „regelmäßig und täglich” vorgesehen. Zusätzlich sind sportliche Angebote, Theaterspiel und Kooperationen mit Unternehmen und der Christian-Albrechts-Universität geplant.

Und was ist mit Zeugnissen? „Es gibt Zeugnisse”,sagt Benning, „aber auch Entwicklungsberichte über individuelle Fortschritte und Begabungen. Außerdem können Schüler Zertifikate – etwa für Zivilcourage – erwerben.” Schulträger der Privatschule, soll eine gemeinnützige GmbH werden. Die Schule muss sich drei Jahre selbst – vorwiegend über Kredite – finanzieren, ehe sie öffentliche Zuschüsse erhält. Als Schulgeld sind pro Kind und Monat 150 Euro geplant.

Der Infoabend findet heute um 20 Uhr im Telekom-Gebäude, Kronshagener Weg 105, Raum 0156, statt. Infos auch im Internet www.clubofrome.de (unter: CoR-Schule) und bei der Bildungsstiftung, Tel. 0431/1457700.

Von Heike Stüben

Kieler Nachrichten – 31.05.2006

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